
Ein Blues von Blind Willie McTell aus dem Jahr 1933, neu gesungen von einem Mann mit Loopstation und Effektpedalen. „B and O Blues“ steht auf „Dang“, dem A-cappella-Album von Eola.
Eola ist das Soloprojekt von Edwin Mathis White, der zusammen mit seinem Bruder Andy das Duo Tonstartssbandht bildet. Aufgewachsen in Orlando, lebte er viele Jahre in New York, zeitweise auch in Montreal und Baltimore. „Dang“ erschien im September 2016 bei Leaving Records in Los Angeles, aufgenommen zwischen 2011 und 2015 in New York. „B and O Blues“ ist der zweite von neun Titeln.
Das Stück ist eine Coverversion. Text und Musik stammen von Blind Willie McTell, der den „B&O Blues No. 2“ im September 1933 für Vocalion aufnahm. Eolas Fassung dauert gut vier Minuten; gesungen und aufgenommen hat er sie allein. Im Text folgt ein rastloser Mann einer Frau, die ihn mit dem Zug der Baltimore and Ohio Railroad verlassen hat, er fühlt sich betrogen, und am Ende hat er jemand Neues gefunden, während sie zurückwill. Ein klassischer Blues über Abschied und Eisenbahn.
Wie Eolas Version im Einzelnen klingt, beschreibt keine Quelle. Was sich belegen lässt, gilt für das Album als Ganzes: Das Label nennt „Dang“ selbstgemachten A-cappella-Gospel, gebaut aus Stimme, Loopstationen und alten Effektpedalen für Gesang, aufgenommen auf Band. Aquarium Drunkard hört eine Platte voller verschwommenem Hall, Vocoder und Effekten, deren neun Stücke zwischen spirituellen Drones, schwankendem Pop und kosmischem Kammer-Gospel wandern.
Neben McTell covert White auf „Dang“ auch Sam Cooke mit den Soul Stirrers, Sean Nicholas Savage und ein Lied seines Bruders; alle übrigen Stücke sind von ihm. Aquarium Drunkard kam 2021 eigens auf „B and O Blues“ zurück und nannte „Dang“ eine wunderschöne Platte mit eigener Vision. Weitere Besprechungen des Albums sind kaum zu finden, Vinyl und Kassette sind längst ausverkauft.
Ein Blues von 1933, durch Hall und Bandschleifen in einen Gospel verwandelt.
Was mich an „B and O Blues“ reizt, ist der Weg, den der Song gegangen ist: von einer Aufnahme aus den Dreißigern zu einem Mann allein mit Stimme, Loops und Band, auf einem Album, das Aquarium Drunkard als Platte mit eigener Vision beschreibt. Meine Empfehlung: Erst McTells Original hören, dann Eolas Fassung, am besten nachts und laut genug, dass der Hall den Raum füllt.