
„Gelis“ ist ein kurzes Instrumental über den Frühling, im Frühling aufgenommen. Natureboy Flako verbeugt sich darin vor Vangelis und dessen Naturmusik.
Hinter Natureboy Flako steht Dario Rojo Guerra, Sohn einer deutsch-chilenischen Familie, aufgewachsen mit südamerikanischer Musik. Seit 2007 veröffentlicht er Beats unter wechselnden Namen, „Natureboy“ war 2015 sein Debütalbum, erschienen beim Londoner Label Five Easy Pieces. „Gelis“ ist der dritte von sechzehn Titeln und war nach „Kuku“ die zweite Single.
Den Anstoß gab, so erzählt es Flako selbst im Track-by-Track für Clash, das Vangelis-Album „Soil Festivities“, das sich mit den Lebensvorgängen an der Erdoberfläche im Frühling beschäftigt. Ihn beeindruckte, wie Vangelis eine ganze Klangwelt um die Natur gebaut hat. Auch „Gelis“ entstand im Frühling, und Flako wollte darin übersetzen, was er draußen wachsen sah. Geschrieben, gespielt und produziert hat er das Stück allein.
Remezcla beschreibt das gut dreiminütige Instrumental als hoffnungsvoll und erhebend: langsamer als die drängende Single „Kuku“, mit reduziertem Beat und synthetischen Orchesterklängen, durchzogen von organischen Geräuschen, die an das Naturthema des Albums binden und manchmal nur kurz auftauchen. Der Labeltext zur Neuauflage spricht von einem meditativen, leuchtenden Stück mit Akkorden wie ein Sonnenaufgang und zarter Perkussion.
The Quietus stellte den Song vorab als ruhigeres Gegenstück zu „Kuku“ vor und als passende Vorschau auf ein Album, das die Natur zum Thema macht. Flako nannte die Natur damals seine Religion. Clash hörte auf „Natureboy“ einen Liebesbrief an die Natur zwischen entspannten Grooves und neoklassischen Momenten, merkte aber an, dass die Hommage gelegentlich hinter Studiotricks verschwindet. Zum zehnjährigen Jubiläum erschien das Album 2025 erstmals neu auf Vinyl.
Ein Sonnenaufgang in drei Minuten, gebaut aus Beats und Synthesizern.
„Gelis“ zeigt für mich, wie wenig ein Stück braucht, um eine Stimmung zu tragen: ein zurückgenommener Beat, Orchesterklänge aus dem Synthesizer, ein paar Geräusche aus der Natur. Meine Empfehlung: Am frühen Morgen hören, mit Kopfhörern, und danach gern bei Vangelis' „Soil Festivities“ weitermachen.