
Gezupfte Saiten, sonst nichts: „Geometría del Universo“ ist der Moment, in dem Colleen ihre Gambe zum Tanzen bringt. Knapp drei Minuten aus ihrem Album „The Weighing of the Heart“.
Colleen ist das Projekt der Französin Cécile Schott, die sich ihr Handwerk selbst beigebracht hat. „The Weighing of the Heart“ erschien im Mai 2013 beim Londoner Label Second Language, ihr viertes Album und das erste nach sechs Jahren Pause. Schott schrieb, spielte und produzierte es allein, nachts in einem ehemaligen Laden in Spanien. „Geometría del Universo“ ist der dritte von elf Titeln und der einzige mit spanischem Namen.
The Quietus beschreibt das Stück als Melodie aus gezupften Saiten, fast in einem Atemzug gespielt, ohne weitere Instrumente oder Effekte. Es eilt und wiegt sich zugleich, wie ein alter Tanz, und wirkt dabei roh und meisterhaft in einem. Slant Magazine hebt hervor, dass Schott ihre Viola da Gamba hier in den Vordergrund stellt: Ihr kräftiges, volles Zupfen erzeugt einen synkopierten Puls, der sich deutlich vom feierlich gestrichenen Spiel ihrer früheren Platten abhebt und den sonst dichten Klang öffnet.
Im Interview mit The Quietus sagt Schott, sie hätte dieses Stück zwei Jahre zuvor weder schreiben noch spielen können. Sie verweist damit auf ihre Arbeit an Rhythmus und Perkussion, die das ganze Album prägt. Woher der Titel kommt, erklärt sie nicht.
Auf einem Album, auf dem Schott zum ersten Mal selbst singt, ist „Geometría del Universo“ ein rein instrumentaler Ruhepunkt. Slant hört auf der ganzen Platte eine Abkehr von Samples und Loops hin zu akustischen Songs, schnelleren Tempi und Dur, findet den Gesang an anderer Stelle aber zaghaft. KLOF Mag und Freq loben den Raum und die Stille der Aufnahmen, The Quietus nennt das Album eine durch und durch bildhafte Reise. Unter den Stücken, die die Kritik hervorhebt, ist dieses eines der kürzesten.
Ein alter Tanz, gespielt auf einem Instrument, das sonst gestrichen wird.
An „Geometría del Universo“ mag ich, dass es nur aus einer Idee besteht, gezupfte Gambe und ein Puls, und trotzdem nach etwas Großem klingt, so wie The Quietus und Slant es beschreiben. Meine Empfehlung: Wer Colleen nicht kennt, fängt hier an, in einem stillen Raum, und hört danach „Push the Boat onto the Sand“, um ihre Stimme kennenzulernen.