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19
David Bowie

Starman

Album: 
ChangesTwoBowie

„Starman“ ist die Single, die David Bowie Anfang 1972 auf Bitten seiner Plattenfirma in letzter Minute für „Ziggy Stardust“ schrieb, und der Auftritt damit bei Top of the Pops machte ihn in Großbritannien zum Star. Auf der Compilation „ChangesTwoBowie“ von 1981 steht der 4:14 lange Song an dritter Stelle.

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C2
review

01 Kontext

Bowie schrieb „Starman“ Anfang 1972, nachdem RCA-Chef Dennis Katz eine Single verlangt hatte. Der Song ersetzte auf „The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars“ eine Coverversion von Chuck Berrys „Round and Round“ und erschien am 28. April 1972 als Single, mit „Suffragette City“ auf der B-Seite. Die Compilation „ChangesTwoBowie“ brachte RCA im November 1981 als Gegenstück zu „ChangesOneBowie“ heraus: zehn Titel von „Aladdin Sane“ bis „D.J.“, mit „Starman“ auf Position drei. Nach Jahrzehnten ohne Neuauflage veröffentlichte Parlophone sie im April 2018 wieder auf Vinyl, CD und digital.

02 Der Song

Aufgenommen wurde „Starman“ am 4. Februar 1972 in den Trident Studios in London, in derselben Session wie „Suffragette City“ und „Rock 'n' Roll Suicide“, produziert von Bowie und Ken Scott. Bowie singt und spielt Akustikgitarre, Mick Ronson spielt E-Gitarre und Mellotron und schrieb das Streicherarrangement, Trevor Bolder spielt Bass, Woody Woodmansey Schlagzeug. Woodmansey erinnert sich laut Far Out, dass er und Ronson den Song schon nach dem ersten Hören mitsangen und ihn sofort für eine Single hielten.

Der Song beginnt mit einer zwölfsaitigen Akustikgitarre, die über beide Stereokanäle verteilt ist, bevor E-Gitarren-Akkorde dazukommen. Zwischen Strophe und Refrain steht eine kurze, morseartige Passage aus Klavier und Gitarre, die auf „You Keep Me Hangin' On“ der Supremes zurückgeht. Der Refrain setzt mit einem Oktavsprung ein, angelehnt an „Over the Rainbow“ aus dem „Zauberer von Oz“; Peter Doggett hört darin aber keinen weiten Bogen wie bei Judy Garland, sondern eine Melodie, die danach unsicher wird, passend zu einer Figur, die ihrer Sache nicht ganz traut. Die Mitsingpassage im Refrain verweist auf T. Rex, und Nicholas Pegg findet, Ronsons Streicher klängen eher nach dem Vorgängeralbum „Hunky Dory“ als nach dem Rest von „Ziggy Stardust“.

Im Text geht es um eine Botschaft der Hoffnung, die ein Besucher aus dem All über das Radio an junge Menschen sendet; erzählt wird aus der Sicht eines Jugendlichen, der sie empfängt und weitergibt. Bowie erklärte William S. Burroughs im Rolling Stone, die Ziggy-Geschichte gehe auf Wesen zurück, die ohne Ziel zwischen Universen wandern. Pegg liest den Song als selbstbewusste Ankündigung eines neuen Stars, anders als die reine Science-Fiction von „Space Oddity“, der Biograf David Buckley sah darin eine Anspielung auf die Wiederkunft Christi.

03 Einordnung

„Starman“ erreichte Platz 10 der britischen Charts und hielt sich elf Wochen, in den USA kam die Single auf Platz 65. Entscheidend war der Auftritt bei Top of the Pops am 6. Juli 1972: Bowie mit roten Haaren und buntem Overall, den Arm um Ronsons Schulter gelegt. Buckley schreibt, viele Fans datierten ihre Hinwendung zu Bowie auf diesen Abend, Rob Sheffield beschreibt im Rolling Stone, wie Bowie in vier Minuten vom unscheinbaren Folk-Sänger zur Rock-Sensation wurde, und Musiker wie Bono, Morrissey, Johnny Marr und Robert Smith nannten die Sendung prägend. John Peel hatte die Single schon bei Erscheinen großartig genannt, Alexis Petridis setzt sie im Guardian auf Platz 11 der besten Bowie-Songs und beschreibt sie als Folge gelungener musikalischer Anleihen. Auf „ChangesTwoBowie“ ist übrigens nicht der laute britische Single-Mix zu hören, sondern die zurückhaltendere Abmischung der Morse-Passage.

Ein Lied über eine Stimme aus dem Radio, das für eine ganze Generation selbst zu dieser Stimme wurde.

04 Mein Eindruck

„Starman“ zeigt, wie viel ein eilig geschriebener Auftragssong tragen kann: zusammengesetzt aus Anleihen bei Judy Garland, den Supremes und T. Rex, und doch der Song, mit dem laut Buckley viele Hörer überhaupt erst zu Bowie fanden. Meine Empfehlung: einmal zusammen mit dem Top-of-the-Pops-Auftritt von 1972 ansehen und danach auf „ChangesTwoBowie“ bis „Ashes to Ashes“ weiterhören, um zu merken, wie weit Bowie in acht Jahren gekommen ist.

D1
spezifikationen
album
ChangesTwoBowie
jahr
1981
label
RCA, Neuauflage 2018 bei Parlophone
genre
Rock
track
3
länge
4:14
album gesamt
42:43
D2
tracklist
  1. Aladdin Sane · 5:10
  2. Oh! You Pretty Things · 3:14
  3. Starman · 4:14 · diese Selection
  4. 1984 · 3:28
  5. Ashes to Ashes · 3:37
  6. Sound and Vision · 3:04
  7. Fashion · 3:26
  8. Wild Is the Wind · 6:03
  9. John, I'm Only Dancing (Again) · 7:00
  10. D.J. · 3:26