
Eine leichte, fast kindliche Melodie, darunter ein Thema, das nicht zur Ruhe kommt. Mit diesem Song kündigte der Schwede Daniel Norgren 2015 sein Album „Alabursy“ an.
Daniel Norgren stammt aus Borås in Westschweden und veröffentlicht seit 2006 auf seinem eigenen Label Superpuma Records. „Alabursy“ erschien im April 2015 als sein fünftes Album, aufgenommen weitgehend allein zu Hause im Wald, wie schon der Vorgänger „Buck“ auf einem Vierspur-Kassettenrekorder. „Why May I Not Go Out and Climb the Trees?“ ist der dritte von zehn Titeln und war vorab als Single zu hören.
Der Song ist mit knapp drei Minuten einer der kürzeren auf der Platte und von Norgren selbst geschrieben. Das niederländische Portal Festivalinfo beschreibt die Melodie als fröhlich und schlicht und sieht genau darin den Reiz: Das Thema des Stücks ist dunkel und beunruhigend, die Musik dagegen beinahe heiter. Dieser Widerspruch trägt den Song.
Im Text spricht eine Stimme, die nach kindlicher Art fragt, warum ihr so Alltägliches wie das Draußensein verboten wird, und die Begründungen der Erwachsenen nicht gelten lässt. Was spielerisch klingt, kippt beim genaueren Hinhören ins Bedrückende. Festivalinfo hält fest, dass Norgren auf dem Album fast alles selbst eingespielt hat; das übrige Album prägen laut der Rezension Orgel, eine immer lauter werdende Gitarre, eine singende Säge und klares Klavier, darüber seine hohe, raue und doch erstaunlich reine Stimme.
Festivalinfo hört „Alabursy“ als deutlichen Bruch mit Norgrens früheren, stärker vom Blues geprägten Platten: eine Reise durch eine verlorene Landschaft, gezeichnet von Tod und Einsamkeit. Der Song steht am Anfang dieser Reise und gibt sein Thema direkt an das folgende „If You Look at the Picture Too Long“ weiter, das die Rezensentin für das vielleicht beste Stück des Albums hält. 2022 fanden viele Songs von „Alabursy“ ihren Weg in den Soundtrack des Films „Acht Berge“.
Ein Kinderlied, das im Dunkeln spielt.
Mich interessiert an diesem Song gerade der Widerspruch, den Festivalinfo beschreibt: eine leichte Melodie, die etwas Schweres trägt, und das in weniger als drei Minuten. Meine Empfehlung: Hört ihn als Einstieg in „Alabursy“ und lasst danach „If You Look at the Picture Too Long“ einfach weiterlaufen, am besten abends und ohne Ablenkung.