
„Wide Open“ beschließt das achte Album der Chemical Brothers mit einem Gast, den man dort nicht erwartet: Beck singt über einen sanft blubbernden House-Beat. Knapp sechs Minuten, die nach Meinung der Kritik ruhiger und wehmütiger klingen als der Rest von „Born in the Echoes“.
Tom Rowlands und Ed Simons veröffentlichten „Born in the Echoes“ am 17. Juli 2015 bei Virgin EMI, in den USA bei Astralwerks; es war ihr erstes Album seit „Further“ von 2010 und ihr sechstes, das in Großbritannien auf Platz 1 einstieg. Neben Beck sind Q-Tip, St. Vincent, Ali Love und Cate Le Bon als Gäste dabei. „Wide Open“ steht an Position 11 und schließt das Album ab, im Februar 2016 erschien der Song zusätzlich als Single.
„Wide Open“ ist 5:54 Minuten lang und laut Wikipedia von Rowlands, Simons und Beck Hansen geschrieben, Beck übernimmt den Gesang, produziert haben die Chemical Brothers selbst. NME beschreibt die Verbindung aus einem blubbernden House-Beat und Becks melancholischer Stimme. HeadStuff nennt das Stück beruhigend, perlend und auf eine lässige Art schwermütig, Spectrum Culture hört Becks wehmütige Stimme noch ganz im Modus seines Albums „Morning Phase“. Treble sieht ihn hier im Indie-Dance-Modus, Flood Magazine spricht von maschinenhaftem Rock mit Manchester-Einschlag.
Inhaltlich ist der Song nach Electronic Sound ein stimmungsvoller Abschluss über das Ende einer Beziehung. Das Video zur Single drehte das Regieduo Dom & Nic: Die Tänzerin Sonoya Mizuno bewegt sich durch eine leere Halle, während sich ihr Körper Stück für Stück in eine durchsichtige, anatomische Struktur verwandelt; dafür baute das VFX-Team laut Diffuser ein Computermodell aus 107 einzelnen Anatomie-Rigs.
Als Schlusspunkt steht „Wide Open“ quer zum Rest des Albums, darin sind sich die Kritiken einig, nur nicht in der Bewertung. NME findet den Song enttäuschend und zu weit weg vom dunklen, kräftigen Grundton der Platte. HeadStuff hält ihn dagegen für einen der eigentlichen Höhepunkte, gerade weil er aus dem Rahmen fällt, und Electronic Sound schreibt, Beck glänze mit seinem Beitrag. Treble, insgesamt skeptisch gegenüber dem Album, nennt den Song immerhin einen, der für Beck wie eine Verwandlung wirkt.
Ein Abschied am Ende eines Rave-Albums, leise gesungen über einen Beat, der weiterläuft.
„Wide Open“ lebt laut den Kritiken vom Gegensatz zwischen dem gleichmäßig perlenden House-Beat und Becks müder, wehmütiger Stimme, ein Song über das Ende einer Beziehung, der eher nach innen als auf die Tanzfläche zielt. Meine Empfehlung: spät abends mit Kopfhörern hören, am besten als letzten Song des Tages, und danach das Video mit Sonoya Mizuno anschauen.